"Suche das Licht nicht im Außen,
finde das Licht in Dir
und lasse es aus deinem Herzen strahlen"
- Rumi - 

Frau beim Malen in der Therapie

WAS IST EIN TRAUMA?

Unter einem Trauma versteht man eine psychische Ausnahmesituation. Ein überwältigendes Ereignis, das entweder einmalig, wiederholt oder anhaltend auftritt. Ein solches Ereignis kann zum Beispiel:

  • eine Gewalttat

  • das Miterleben eines schweren Unfalls

  • eine Naturkatastrophe

  • Kriegserlebnisse

  • Ausgesetztsein von Folter

  • die Diagnose einer schweren Krankheit

  • emotionaler oder körperlicher Missbrauch

  • Vernachlässigung

 

sein. Oft werden diese Erlebnisse von den Betroffenen nur bruchstückhaft oder gar nicht mehr erinnert. Man unterscheidet unter Anderem zwischen Schock- und Entwicklungstrauma. 

Von transgenerationalen Traumata spricht man, wenn traumatische Erfahrungen - oft unbewusst und ungewollt - von Angehörigen einer Generation an die Mitglieder der nachfolgenden Generation übertragen werden. Bezeichnungen sind zum Beispiel "Kriegskinder" und "Kriegsenkel", an die unbewusst die Erlebnisse von Krieg und Folter weitergegeben wurden. Dies kann durch die Atmosphäre im Elternhaus oder durch Erlebnisse existenzieller Verlassenheit passieren.

Des Weiteren gibt es frühkindliche Traumatisierungen. Diese entstehen in der Kindheit oder sogar noch früher, in einer Lebensphase, in der es noch keine Sprache gibt. Diese Ereignisse sind später oft nicht bildhaft erinnerbar. Ein solches traumatisches Erlebnis kann unter Anderem mit den Umständen im Mutterleib, bei der Geburt und mit der frühen Versorgung zusammenhängen. Die körperlichen und seelischen Auffälligkeiten der betroffenen Menschen werden häufig gar nicht mit einem Trauma in Verbindung gebracht. Der Körper erinnert sich jedoch in der Regel sehr genau.

  

 

Was sind mögliche Folgeerscheinungen eines Traumas?

Das Erleben einer traumatischen Erfahrung kann tiefe Auswirkungen auf unsere Beziehungsgestaltung, Glaubenssätze, Identifikationen und frühen Prägungen haben.

Zahlreiche Beschwerden können als Folge eines traumatischen Erlebnisses entstehen. Ein Trauma kann z.B. die Ursache für Erschöpfungssyndrome, somatoforme Schmerzsstörungen, Depressionen, Panik- oder Angststörungen sein. Zu den häufigsten Reaktionen auf ein traumatisches Erlebnis gehören Erstarrung, Furcht, Hilflosigkeit, Entsetzen und Ohnmachtsgefühle. Dauern Symptome länger an, kann sich ein Symptomkomplex entwickeln, der unter dem Oberbegriff „Posttraumatische Belastungsstörung“ klassifiziert ist.

Es kann zum Wiedererleben des Traumas kommen:

  • in Form von Albträumen

  • in ungewollten, sich aufdrängenden Erinnerungen ("Flashbacks")

  • durch äußere Auslöser, die an das Erlebte erinnern ("Trigger")

  • durch unbewusstes Reinszenieren von ähnlichen Situationen im Heute

  • durch scheinbar automatisiert ablaufende Körperreaktionen, die in der aktuellen Situation unangemessen erscheinen und keinen offensichtlichen Bezug haben

Es kann zu Vermeidungsverhalten kommen:

  • Um ähnliche Situationen und ein Wiedererleben zu vermeiden, schränken Betroffene ihren Alltag ein ("Trigger" vermeiden).

  • Schmerzhafte Gedanken an das Erlebnis werden "weggeschoben". 

  • Manche Betroffene entfernen sich immer weiter von ihren eigenen Gefühlen

Es kann zu posttraumatischem Stress kommen. Dieser kann sich in verschiedenem Verhalten äußern:

  • das Gefühl, nicht richtig im Körper zu sein.

  • sich von Außen betrachten, wie ein außenstehender Beobachter 

  • wie über den Dingen schweben

  • Teile seines Körpers als nicht zugehörig erleben

Diese "Dissoziation" ist ein Versuch des Körpers, unerträgliche Körperempfindungen wie Angst oder Schmerzen in erträgliche zu überführen.

Als weiterer Bewältigungsversuch kann es zu körperlicher Übererregung kommen ("Hyperarousal"). Betroffene können eine erhöhte Wachsamkeit entwickeln. Dann sind sie permanent damit beschäftigt, die Umwelt auf eventuelle Gefahren zu prüfen. Diese permanente Alarmbereitschaft des Organismus kann zu Anspannung, Nervosität, Unruhe, Wutausbrüchen, Konzentrationsstörungen, Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit und Schlafstörungen führen. Der Körper hält weiterhin eine Stressreaktion aufrecht indem das sympathische Nervensystem aktiviert bleibt.

Warum Kunsttherapie bei Einem Trauma helfen kann

Bei einem Trauma sind Bilder und Gefühle zu dem erlebten Ereignis oft wie abgeschnitten. Es gibt keine Erinnerung oder nur Bruchstücke an das, was vorgefallen ist. Der Körper versucht durch Symptome auf das Erlebnis aufmerksam zu machen und die Bewältigung zu schaffen. Im Heute suchen wir dazu oft ganz gezielt nach ähnlichen Situationen, wie damals zum Erlebniszeitpunkt des Traumas. Unbewusst versuchen wir das Erlebte zu "reinszenieren" also erneut in Szene zu setzen.

Über diese Trigger an das Trauma erinnert, hoffen wir, heute endlich anders zu reagieren - die Situation heute zu lösen. Doch es stehen (noch) keine neuen Bewältigungsmuster zur Verfügung. Wir reagieren auf die Situation heute mit den gleichen Strategien, wie damals als Kind/zum Zeitpunkt des Erlebnisses, weil das Trauma noch nicht verarbeitet ist. Das kleine Kind von damals ist nach wie vor hilflos: es kennt in der Ohnmacht oft nur Erstarrung oder Flucht. Wenn der Körper die dazu gehörigen Symptome zeigt, wird die Situation im Heute gern als lästiger Trigger empfunden: "Warum kann ich nicht erwachsen reagieren?".

Die Methoden der Kunsttherapie können den Körper dabei unterstützen, die unbewussten Inhalte sichtbar zu machen ohne dazu im Alltag unbewusst nach neuen Triggern zu suchen. Wir können die inneren Kind-Anteile zu "Wort" kommen lassen, indem wir ihnen Ausdrucksmöglichkeiten anbieten. Dann zeigen sich in der Regel auch die zugehörigen Gefühle, die häufig abgespalten wurden. Wir folgen den Spuren des inneren Kindes, wir hören ihm zu, schenken ihm Verständnis und Akzeptanz. Erst wenn sich die inneren Kind-Anteile ausdrücken dürfen, die Gefühle gefühlt werden dürfen, kann Heilung passieren. Im therapeutischen Prozess unterstütze ich Sie dabei, dass wir das innere Kind mit unserem Erwachsenen-Anteil abholen, annehmen und der Geschichte des Kindes Glauben schenken. So üben wir, gemeinsam mit erwachsenen Augen auf das Erlebnis schauen, um es schließlich zu verarbeiten.  

Junge spielt mit Blöcken

Wie wir in der Traumatherapie vorgehen

In der Traumatherapie arbeite ich mit Ihnen in verschiedenen Phasen. Nach der ausführlichen Anamnese folgen verschiedene Behandlungsphasen:

1. Stabilisierung und Ressourcenaktivierung > Förderung der Alltagsfunktionalität

2. Traumakonfrontation kombiniert mit stabilisierender Behandlung

3. Integration des Erlebten > den Kontext verstehen

4. Neu-Ausrichtung und Neubeginn > Blick nach vorne

Je nach aktueller Phase kommen verstärkt oder begleitend Methoden zur Stabilisierung zum Einsatz. Das können zum Beispiel Entspannungs- und Erdungsübungen oder Hilfestellungen zur Reorientierung sein. 


In der aufdeckenden Phase arbeite ich mit den inneren Kindanteilen und mit inneren Bildern. Dabei möchte ich Sie unterstützen, den Kontext zum erlebten Traumageschehen wieder herzustellen. Wir nehmen gemeinsam immer wieder die Vogelperspektive ein und suchen Distanz zum Erlebten.

Achtsam begleite ich Sie dabei, sich mit innerem Abstand und in Ihrer individuellen Geschwindigkeit dem Trauma zu nähern. Wir arbeiten auf mehreren Ebenen: geistig, körperlich und emotional/seelisch. In der Traumatherapie geht es primär darum, Sicherheit, Kontrolle und einen haltgebenden Rahmen zur Verarbeitung zu finden.

 

Oft war das Verhalten (überlebens-)notwendig, daher gehe ich in der Konfrontations- und Integrationsphase ganz behutsam vor. Die sich zeigenden Gefühle wie Trauer, Verzweiflung, Wut, Hass, etc. dürfen Platz und Ausdruck finden. Wie bei einem Puzzle sortieren wir gemeinsam, was ins Heute und was ins Damals gehört. Es geht dabei aber nicht darum, das Vergangene noch einmal zu erleben. Stattdessen prüfen wir, wie das Trauma sich heute noch auf den Alltag und die Beziehungsgestaltung auswirkt. Die sogenannten "Täter-Introjekte" können beispielsweise zu selbst- und fremdschädigendem Verhalten führen. Daher arbeiten wir daran, den Kontext von damals zu verstehen, um so die verinnerlichten Glaubenssätze, Muster und Motive, Werte und Normen zu hinterfragen und neu auszurichten.

Abschließend folgt die Reintegration. In dieser Phase geht es um Abschied, das Verstehen, Einordnen, Neu-Ausrichten und schließlich Anwenden der Erkenntnisse im Alltag.